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Der Domchor im Laufe der Jahrhunderte

Der Domchor (Cappella Musicale) wurde 1556 offiziell gegründet, seine Ursprünge liegen jedoch viel weiter zurück, denn bereits im 12. Jahrhundert weiß man von einer Gruppe von "Canonici cantores", die unter der Leitung des "Magister scholarum" mit ihrem Gregorianischen Gesang zur Feierlichkeit der heiligen Messen im Dom beitrugen.   

Der Begriff "Cappella musicale" bezeichnet einen Chor, der nur aus Männerstimmen zusammengesetzt ist, entsprechend der jahrhundertealten Tradition, nach der die Ausführung des Cantus den Kastraten und später den hohen bzw. Koloratur-Tenören anvertraut wurde. 

Der pisanische Domchor blieb der Tradition des reinen Männerchors bis 1992 verhaftet, als man ihm, mit dem Ziel, die Messen in der Kathedrale durch die  Ausführung von Gesängen für gemischte Stimmen noch feierlicher zu gestalten, eine schola cantorum für Frauenstimmen zur Seite stellte. 

Nach einer strukturellen Neuorganisation im Jahr 2004, präsentiert die Cappella Musicale sich heute als gemischter Chor, in dem Frauen- und Männerstimmen in gleicher Weise eingesetzt, und sowohl was die Bezahlung als auch was die Aufgaben betrifft gleich behandelt werden. Zur Zeit besteht die Hauptaufgabe des Chors in der Ausführung der gesungenen Bestandteile der feierlichen Messen im Dom. 

Das Repertorium des Domchors, das ausschließlich aus geistlicher und kirchlicher Musik besteht, erstreckt sich vom Gregorianischen Gesang bis zu zeitgenössischen Stücken, mit dem Schwerpunkt auf der mehrstimmigen Musik der Renaissance und der Moderne.

Von den vielen Chordirektoren, die im Laufe der Jahrhunderte den Chor leiteten, nennen wir die berühmtesten: G. Carlo Maria Clari, Chorleiter von 1723 bis 1754, und die uns zeitlich näher stehenden: Paolo Amatucci, Bruno Pizzi, Don Franco Baggiani. Der jetzige Chorleiter ist Riccardo Donati, einst Organist des Doms.   

In den letzten Jahren hat der Domchor an Wettbewerben und Konzerten in Italien und im Ausland teilgenommen und dabei großen Erfolg bei Publikum und Kritik geerntet. 1994 präsentierte er in einem Konzert in der Basilika San Piero a Grado, das später im Dom wiederholt wurde, zusammen mit dem Domorchester das "Magnificat" für Soli, Chor und Orchester von G. Carlo Maria Clari als moderne Erstaufführung. Weiterhin erinnern wir an die Gastspielreise des Frauenchors in England im August 1995, mit Konzerten in den Städten Dursley und Bath, sowie an die "Krönungsmesse" von W.A. Mozart, die wieder in Zusammenarbeit mit dem Domorchester im September 1995 im Dom aufgeführt wurde; dieses Konzert wurde auf CD aufgenommen und von EMA Records veröffentlicht. 1996 nahmen die Frauenstimmen am Chorwettbewerb "L.Perosi" von Tortona (AL) teil, wo sie für die beste Darbietung eines Stückes des gleichnamigen Komponisten aus Tortona den "Perosi"-Preis erhielten. 

Im September 1996 gaben Domchor und -orchester ein Konzert in der Kathedrale, bei dem die 5. Sinfonie op.D 486 von Schubert und das "Stabat Mater" für Soli, Chor und Orchester von Haydn aufgeführt wurden. Das Programm wurde im November desselben Jahres in den deutschen Städten Erfurt und Jena wiederholt, anlässlich des Austauschs mit dem Chor der Universität Jena, der 1995 in Pisa zu Gast gewesen war. Im September 1997 trug der Domchor die "Missa in tempore belli" von J. Haydn vor, mit weiteren Konzerten in Deutschland, am Stadttheater von Carpi sowie in der Kirche San Giovanni in Lucca anlässlich der "Sagra Musicale Lucchese". Im Frühjahr des Jahres 1998 erhielten die Frauenstimmen ex aequo den 1. Preis beim "1. Nationalen Wettbewerb der Stadt La Spezia", wo sie unter anderem die "Laudi alla Vergine" von Giuseppe Verdi vortrugen. Ebenfalls 1998 führte der Domchor zusammen mit dem "Coro Polifonico di San Nicola" zum Anlass des Dedikationsfestes das Requiem K. 626 von W. A. Mozart im Dom von Pisa auf. Im April 1999 gewannen die Frauenstimmen den ersten Preis beim Internationalen Wettbewerb von Verona. Im Januar 2000 nahm der Frauenchor am internationalen Chorfestival in Paris teil; der Domchor erhielt außerdem ex aequo den 2. Preis beim "Wettbewerb der Stadt Vittorio Veneto" und führte im Pisaner Dom "Die Schöpfung" von J. Haydn auf. Im September 2001 hatte die Domkantorei das Privileg, das Eröffnungskonzert für das "Festival geistlicher Musik" in der Kathedrale zu gestalten, und am 23. September, der Tag, an dem die Kirche Mariä Himmelfahrt geweiht wurde, gibt sie traditionell dort ebenfalls ein Konzert.  

CHORLEITER IN DER PRIMAZIALE DI PISA
Pietro974-1006
Benedetto1013
Raimberto 1014
Martino 1033
Alberto 1078-1094
 
MAGISTRI SCHOLARUM
Pace 1270
Betto 1293-1299
Menco 1303
Giovanni Giuntini 1341-1347
Colo Bolognini 1355-1361
Bindo Pepe 1366
Jacopo Gualandri 1393
Teseo Lancillotti 1434
Luca da Piombino 1440
Bartolomeo Baldi 1449
Teseo Lancillotti 1472
Bartolomeo Bastai 1497
Giovanni 1507
Niccolò di Dimitri 1511
Bastiano da Fucecchio 1533
Jacopo da Monte 1533 
 
CHORDIREKTOREN
P.te Francesco Bocchini 1555-1570
P.te Bartolomeo de Rossi 1571-1572
P.te Antonio Buonavita 1573-1575
P.te Francesco Bocchini 1575-1582
P.te Bartolomeo de Rossi 1582-1583
P.te Giovanni Palma 1583-1585
Dom. Pompilo Pisanelli 1585-1590
Dom. Pier Maria Compagni 1590-1594
Luca Bati 1594-1595
P.te Pompeo Signorucci 1606-1608
P.te Vincenzo Mercanti 1609-1611
P.te Nicola Pisani 1611.1627
P.te Antonio Bracci 1628-1649
P.te Nicola Pisani 1649-1661
P.te Giovan Battista Bracci 1663-1671
P.te Francesco Alessi 1671-1679
Francesco Cavaioni 1679-1681
Dom. Teofilo Macchetti 1681-1714
Giovan Carlo Maria Clari 1723-1754
Giovan Gualberto Brunetti 1754-1787
Paolo Fabbrini 1788-1789
Adamo Marcori 1799-1808
Nicola Benvenuti 1810-1867
Vittorio Castrucci 1868-1893
Oreste Guidotti 1895-1899
Paolo Amatucci 1901-1934
Bruno Pizzi 1934-1977
Don Franco Baggiani 1978-1992
Riccardo Donati 1992