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Die ersten Fresken

Das große Bauwerk des Camposanto wurde nicht mit einem Mal zu dem, wie wir es heute sehen, sondern in aufeinanderfolgenden Bauphasen errichtet, und die großen Seitenwände wurden, sobald sie fertiggestellt waren, nach und nach mit Fresken dekoriert.Am ersten aufgebauten Teilstück, in der süd-östlichen Ecke, verband die Kreuzigung, ein gigantisches, wahrscheinlich gegen 1332-33 in Auftrag gegebenes Altarbild, die post mortem-Szenen aus dem Leben Christi, die daneben an derselben Wand zu finden sind, mit dem großen Zyklus des Triumph des Todes, der auf der Südwand aufgemalt wurde.

In der klassischen Darstellung am Kreuz zwischen den beiden Räubern, hoch über dem auf der rechten Seite aufgereihten Trupp von Soldaten und der Gruppe von trauernden Frauen, die auf der linken Seite um die Mutter zusammengerückt sind, bietet Christus den Gläubigen das Beispiel seiner Aufopferung. Und gleichzeitig stärkt er in ihnen, mit Hilfe der seitlichen Szenen, durch die Stigmata die von den Allegorien des Triumphes gepriesene Duldsamkeit und beruhigt sie, mit dem Beispiel seiner Auferstehung und Himmelfahrt, in Bezug auf den Ausgang des Kampfes gegen die Versuchungen des irdischen Lebens.  

Eine subtile und komplexe bildnerisch dargestellte Handlung, für die der Pisaner Domenico Cavalca die Verantwortung trägt, angesehener Dominikaner und Protagonist des kulturellen Lebens jener Zeit, dessen Predigten als Erläuterung dienen, wenn es um die Interpretation dieser Darstellungen geht.Lange Zeit war die Zuschreibung dieses ersten Zyklus, den man auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datierte, umstritten und so wurde er mangels sicherer Dokumente verschiedenen Malern aus Florenz, Bologna, Siena oder Pisa zugeordnet. Kürzlich durchgeführte Untersuchungen, die unterstreichen wie wenig der Stil von Giotto geprägt ist, versetzen ihn in die erste Jahrhunderthälfte und schreiben ihn Buonamico di Martino genannt Buffalmacco zu. Somit hat der durch die Novellen von Boccaccio und Sacchetti berühmt gewordene Name endlich ein Gesicht bekommen, sowohl was seine ironische Intelligenz als auch die Fähigkeiten als Maler betrifft.  

Seine Szenen sind vom Hang zu einem grausamen Realismus, der Ausdruckskraft der Malerei des 13. Jahrhunderts durchdrungen, allerdings hinsichtlich der Raumgestaltung wie bei Giotto angelegt, von dem auch der häufige Gebrauch von Figuren übernommen wurde, die vom Rand aus in geschickter Weise den Blick des Betrachters auf das Hauptgeschehen lenken.Die Kreuzigung, die sich auch durch die Ausführungstechnik von den anderen Fresken unterscheidet, wurde dagegen dem Pisaner Francesco Traini zugeschrieben, der es demnach war, der mit der Freskierung des Camposanto begann. Er war ein enger Mitarbeiter von Simone Martini und Lippo Memmi während ihrer Aufenthalte in Pisa, aber offensichtlich auch aufgeschlossen gegenüber den Hinweisen der Schüler von Giovanni Pisano auf dem Domplatz.  

 

Verzeichnis der Szenen

1 Kreuzigung, Francesco Traini
2 Auferstehung, Bonamico Buffalmacco
3 Die Ungläubigkeit des Hl. Thomas, Bonamico Buffalmacco
4 Christi Himmelfahrt, Bonamico Buffalmacco
5 Triumph des Todes, Bonamico Buffalmacco
6 Jüngstes Gericht, Bonamico Buffalmacco
7 Hölle, Bonamico Buffalmacco
8 Geschichten der Heiligen Väter, Bonamico Buffalmacco
9 Mariä Himmelfahrt, Stefano da Firenze