Der Camposanto, der wie eine Kirche konzipiert wurde, deren offenes Mittelschiff wie eine heilige Reliquie die zur Zeit des 2. Kreuzzugs aus Palästina hergebrachte "heilige Erde" bewahrt, wird im 14. Jahrhundert errichtet und zum großen Teil dekoriert. Für Pisa ist es das letzte bedeutsame Jahrhundert vor der Unterwerfung unter Florenz.
Auf den Seitenwänden folgen große freskierte Szenen aufeinander, gedacht für Körper und Geist, im Einklang und in Verbindung mit den Predigten, die von den berühmtesten Rednern der Zeit geschrieben und vorgetragen wurden, allen voran den Dominikanern, die im pisanischen religiösen und kulturellen Umfeld großen Einfluss ausübten.
Die Gedanken über das irdische und das ewige Leben und den Tod sind hier den damals besten Künstlern anvertraut, dem Pisaner Francesco Traini und Buffalmacco, ein Freund von Boccaccio sowie Figur in einigen von dessen amüsanten Novellen.
Spätestens Mitte des Jahrhunderts beauftragt man Taddeo Gaddi, direkter Schüler von Giotto damit, das moralisierend-lehrhafte Programm weiterzuführen, und zwar mit den biblischen Geschichten des Propheten Hiob, Emblem für die Tugend der Geduld des gerechten Menschen im Angesicht von Leid und Unglück. Der Gläubige ist daraufhin zur asketischen Meditation aufgerufen, und zwar durch die modernen Exempel der pisanischen Heiligen - erzählt von einem bei den Dominikanern beliebten Maler, dem Florentiner Andrea Buonaiuti, und zwei anderen berühmten Künstlern der Zeit, Antonio Veneziano und Spinello Aretino - und der Lektüre der Geschichten aus dem Alten Testament, die von Piero di Puccio begonnen und von Benozzo Gozzoli im 15. Jahrhundert vollendet wurden.