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Die Bauphasen

Der Beitrag von Diotisalvi
Das heutige Baptisterium geht in seinen Grundzügen auf Diotisalvi zurück, der von 1152 bis ca. 1180 (nach dem gewöhnlichen Kalender) den Bau des Gebäudes leitete, zumindest bis zur Realisierung der Bögen des ersten Stockwerks und der Säulen und Pfeiler im Inneren, die Kapitelle ausgenommen. Ihm ist wahrscheinlich auch der Entwurf der begehbaren Säulengalerie des zweiten Stockwerks zu verdanken, die die der Domfassade genau wieder aufgreift. Sein Projekt war, wie die Grundsteinlegung der Kathedrale, von städtischen und politischen Ereignissen geprägt: Die Thematik der heiligen Kriege spiegelt sich in der Form des Baptisteriums wider, welches die des Heiligen Grabs heraufbeschwören sollte. In kohärentem Zusammenhang mit dem Stil Diotisalvis erscheint die stark byzantinisch geprägte Dekoration des Hauptportals, die aufgrund des Vergleichs mit anderen Werken von derselben Hand in der Regel um das Jahr 1200 herum datiert wird. Das Ostportal ist am reichsten dekoriert, insofern es sich als Haupteingang genau gegenüber dem Hauptportal des Doms befindet, mit welchem es stilistisch kommuniziert. 

Nicola und Giovanni Pisano
Um die Hälfte des 13. Jahrhunderts erhalten die Arbeiten am Baptisterium neuen Schwung, was nicht nur durch die stilistischen Merkmale deutlich wird, sondern auch dank einer Inschrift auf einer Außenwand der Emporen, die besagt: "anno domini MCCLXXVIII aedificata fuit de novo". Wir befinden uns im Monat März des Jahres 1277 nach dem gewöhnlichen Kalender (März 1278 dem pisanischen Kalender zufolge), der uns das Ende einer Bauphase anzeigt. Die Wiederaufnahme der Arbeiten ist mit der einflussreichen Figur des Erzbischofs Federico Visconti in Verbindung zu bringen, welcher zu jener Zeit die Aufhebung des päpstlichen Kirchenbanns erreichte, der wegen des offensichtlichen Beitritts zum Kaiserreich gegen die Stadt ausgesprochen worden war. Auf die Realisierung des Taufbeckens und die Einfassung des Presbyteriums vom lombardischen Guido Bigarelli (1246) folgt die Wiederaufnahme der Bautätigkeiten mit der Ankunft von Nicola Pisano, der gemeinsam mit seinem Sohn Giovanni die Baustruktur Diotisalvis grundsätzlich erneuert. Nicola errichtet nämlich nicht nur die Kanzel (1260), die sich sofort als Modell für diese Ausstattungstypologie durchsetzen wird, sondern krönt auch die Bögen der äußeren Säulengalerie mit einer prächtigen Reihe von Büsten, die sich in eine komplexe Struktur von Tabernakeln einfügen, welche ihrerseits mit Figuren bereichert werden. Das Ganze wird vom Sohn Giovanni vollendet, dem wir wohl auch das Obergeschoss zu verdanken haben, das durch große, von Giebelfeldern eingerahmte Öffnungen, gekennzeichnet ist. 

Die Arbeit von Cellino di Nese
An der dritten und letzten Phase der Arbeiten am Bau des Baptisteriums ist der 1361 zum Obersten Baumeister ernannte Cellino di Nese beteiligt. Um den Ablauf der Ereignisse zu verstehen, ist ein Dokument vom September 1360 von großer Bedeutung, in dem sich mehrere Steinmetze, darunter Cellino, vor dem Domherr Lupo Allotti, Vermögensverwalter des Bauwerks San Giovanni, dazu verpflichten die Bauarbeiten abzuschließen. Cellini, der damit beauftragt war, Marmor von Carrara zu holen, "um Bögen und Fenster für die Kirche San Giovanni zu errichten", war nämlich dabei die Errichtung der Außenwand zu beenden, um daraufhin die sich zur Mitte hin öffnenden Emporen, sowie den gewagten Bau der beiden Kuppeln fertigzustellen. 
In den Jahren 1384-1386 muss das Baptisterium bereits sein heutiges Äußeres gehabt haben, denn Antonio Veneziano stellt es uns komplett mit Innen- und Außenkuppel auf einem der Fresken seiner Geschichten des San Ranieri im Camposanto Monumentale dar.