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Die Fresken des Camposanto

Von den ca. 1500 qm Freskenmalereien, die einst die Wände des Camposanto Monumentale schmückten, ein regelrechtes Kompendium der Kunst und Kultur von Mittelalter und Renaissance, haben nicht alle den verheerenden Brand von 1944 überlebt. Sicher ist, dass die mühevollen und äußerst delikaten Restaurierungsarbeiten, die man sofort nach dem Krieg eher auf experimenteller Basis ausführte und in den darauffolgenden Jahrzehnten, nach genauen Studien und Untersuchungen, sorgfältiger und gezielter durchführen konnte, uns heute ermöglichen, einige Szenen des grandiosen Freskenyklus wieder neu zu bewundern. 

Zur Zeit sind folgende Werke an ihren originalen Standort "zurückgekehrt": die Fresken aus dem 14. Jahrhundert mit den Geschichten aus dem Leben Hiobs von Taddeo Gaddi an der Südwand des Gebäudes, sowie viele der Szenen der Ostwand, wie die imposante Kreuzigung des Traini, für deren Anhebung und Anbringung sehr sorgfältige Arbeiten nötig waren, die mit großem Geschick von den Arbeitern der Opera ausgeführt wurden. 

An der Nordwand sind bis zur Ammannati-Kapelle wieder die Werke von Piero di Puccio an ihrem Platz, dessen biblische Geschichten, aufgrund der Eroberung durch die Florentiner unvollendet blieben und später von Benozzo Gozzoli beendet wurden.

Besonders sticht die große Szene der Theologischen Kosmografie hervor, neben der sich die Geschichten von Adam und Eva, von Kain und Abel und die Arche Noah befinden. Eine der letzten Arbeiten des Restauratorenteams war die Restaurierung der Malerei und die Übertragung der vier Teile der Szene Nr. 34 (Turmbau zu Babel) von der provisorischen Unterlage auf die aus Harzglas. Die Arbeit wurde unterstützt durch einen Beitrag des World Monument Fund, dem zuvor eine Projektbeschreibung mit einer detaillierten Aufzählung der Plankosten vorgelegt worden war.

Die Restaurierungsarbeiten des Camposanto von Pisa haben mit den Jahren nicht wenige Fortschritte auf dem Gebiet der Restaurierung gebracht. Sie stellten ein experimentelles Laboratorium dar, in dem führende Wissenschaftler Techniken aus dem Bereich der Chemie bis zu neuen Technologien anwenden konnten. Unter dem Gesichtspunkt der Konservierung hat sich die Studie über den Einsatz von lebenden Mikroben (Bakterien) bei der Entfernung von hartnäckigen tierischen Klebstoffresten, die traditionellen Methoden gegenüber resistent sind, von großem Interesse erwiesen, ein Verfahren, das beim Werk Konvertierung des Hl. Efisio von Spinello Aretino aufgegriffen wurde. In einer anderen Phase dagegen ist die Nutzung des Informationsystems zum Camposanto Monumentale von großer Relevanz, eine multimediale Datenbank, die an das 3D-Modell des monumentalen Bauwerks angeschlossen werden kann und in der Lage ist, die dreidimensionale Darstellung aller dort enthaltenen Objekte zu nutzen. Die virtuelle Rekonstruktion des Gebäudes, die Mitte der Neunziger Jahre erdacht wurde, um die Techniker bei den Restaurierungsarbeiten zu unterstützen, erleichtert heute die Vorbereitungsphase vor der Platzierung der Fresken, das heißt die Arbeiten, die eine sorgfältige Überprüfung der Dimensionen der Szenen und der Monumente, die an die Wände gelehnt sind, erfordern.

Die Direktion der Camposanto-Arbeiten operiert heute im Rahmen komplexer Eingriffe, bei denen außer einer ansehnlichen Gruppe von Restauratoren auch Forschungsteams aus dem Bereich der Chemie (für die diagnostischen Untersuchungen auf organischen und anorganischen Materialien) und der Atmosphärenwissenschaften, für die mikroklimatischen Analysen des berühmten Pantheons des lokalen und nationalen Ruhms, beteiligt sind, welche die Kriterien für eine korrekte Konservierung des Freskenzyklus zu definieren haben, der sich hinter diesen wertvollen Marmorwänden verbirgt und noch immer restauriert wird.

Im März 2008 wurde ein Kongress abgehalten, um - nach Klärung der technischen und methodologischen Grundlagen - das was bis dahin getan wurde, zur gemeinschaftlichen Diskussion zu stellen. Um eine offene, freie Diskussion mit informierten Teilnehmern zu erleichtern und anzuregen, wurden qualifizierte Experten der jeweiligen Fachbereiche (Kunsthistoriker, Chemiker, Physiker, Gesteinskundler, Direktoren und Leiter von Restaurierungsschulen aus Italien und dem Ausland) dazu eingeladen an diesen Studientagen teilzunehmen, um zusammen und auf der Basis dessen, was sich aus den Berichten und den Untersuchungen der Fresken in den verschiedenen Arbeitsstadien ergab, Ergebnisse und Vorschläge zu bewerten. Um eine konkrete Überprüfung der Sachverhalte zu erleichtern, wurden die Zusammenkünfte auch in einem Raum bei den neuen Restaurierungswerkstätten der Opera Primaziale Pisana abgehalten.